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Bewertungsmodelle für Geschäftsprozesse sind manchmal nur schwer voneinander abzugrenzen. In diesem Artikel wird deswegen am Beispiel der Begriffe ISO 9000, EFQM, Six Sigma, CMMI und (Automotive)-SPICE demonstriert, wie man aus den genannten Begriffen ein Puzzle zusammen setzen kann, das ohne großen Aufwand eine natürliche, überschneidungsfreie Darstellung ergibt.

 

ISO 9000, EFQM und Six Sigma sind Qualitätsmanagement-Normen, mit deren Hilfe eine mehr qualitative oder mehr quantitative Bewertung von Geschäftsprozessen einer Organisation erfolgen kann.


ISO 9000 erlaubt eigentlich keine Aussage über den Reifegrad eines bestimmten Prozesse oder der Organisation als Ganzes. Stattdessen wird – streng genommen - lediglich geprüft wird, ob durchgeführter und dokumentierter Prozess miteinander übereinstimmen.

 

Mit einem Qualitätsmanagement nach EFQM sind Reifegrad-Aussagen möglich. Dabei kann es sich sowohl um den Reifegrad eines einzelnen Prozesses, als auch den der gesamten Organisation handeln. Für die qualitative Beschreibung eines Reifegrades – und nur solche Bewertungen sind möglich - werden dabei im Fall der Bewertung eines Einzelprozesses ordinale Merkmale für die Darstellung eines Erfüllungsgrades verwendet (Keine Nachweise (0%), Einige Nachweise (25%), Nachweise (50%), Klare Nachweise (75%), Umfassende Nachweise (100%), Zwischenwerte werden geschätzt). Die Bewertung der Organisation als Ganzes ergibt sich dann aus der Summe der Ergebnisse für alle Befähiger und Ergebnisse der Organisation.


Six Sigma schließlich stellt ein statistisches Qualitätsziel für einen Einzelprozess dar (und besagt, dass sich tatsächliche und vorgegebene Fertigungstoleranz wie s/(+6s - -6s) = 1/12 verhalten. Six Sigma ist damit ein quantitatives, statistisch belegbares Qualitätsergebnis. Gleichzeitig handelt es sich um eine Methode zur Prozessverbesserung.

Den Qualitätsnormen gegenüber stehen Referenzmodelle wie z. B. CMMI (oder auch (Automotive)-SPICE).

 

Bei CMMI - Capability Maturity Model Integration – handelt es sich um eine Familie von Referenzmodellen für unterschiedliche Anwendungsgebiete - derzeit für die Produktentwicklung, den Produkteinkauf und die Serviceerbringung. Ein CMMI-Modell ist eine systematische Aufbereitung bewährter Praktiken, um die Verbesserung einer Organisation zu unterstützen. Ein CMMI-Modell kann genutzt werden, um

  • einen Überblick über bewährte Praktiken (z. B. bei der Projektplanung) zu bekommen,
  • die Stärken und Schwächen einer Organisation objektiv zu analysieren oder
  • Verbesserungsmaßnahmen zu bestimmen und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen

(Quelle: Wikipedia).

CMMI beschreibt das Niveau innerhalb eines Prozessgebietes durch Fähigkeitsgrade, und das organisationsweite Niveau durch Reifegrade. Eine Darstellung von Reifegraden zeigt die folgende Abbildung.

CMMI-Reifegrade

 

Spalte eins der Tabelle enthält die englische Abkürzung des Prozessgebietes, Spalte zwei die Bezeichnung des Prozessgebietes, Spalte drei die Kategorie und Spalte vier den zugehörigen Reifegrad.

Beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass

  • alles, was mit organisationsweitem Prozessmanagement zu tun hat, den Reifegraden drei, vier und fünf zugeordnet ist, und
  • alles, was mit quantitativer Bewertung zu tun hat, den Reifegraden vier und fünf zugeordnet ist.


Mit diesen beiden Erkenntnissen ist folgende Zuordnung zwischen dem CMMI-Modell und den genannten QM-Modellen möglich:

cmmi2qm

  • CMMI-Reifegrad zwei entspricht in etwa einem Qualitätsmanagement nach ISO 9000, da weder ein organisationsweiter Ansatz, noch eine quantitative Prozessverbesserung zwingend erforderlich sind.
  • Durch die Einführung eines unternehmensweiten Prozessgedankens ab dem CMMI-Reifegrad drei ergibt sich eine direkte Analogie zum EFQM-Ansatz, der – im Gegensatz zur ISO 9000 – ebenfalls eine organisationsweite Sichtweise (und damit eine Berücksichtigung aller Geschäftsprozesse) erforderlich macht. Nach wie vor bleibt es aber auch beim CMMI-Reifegrad drei bei qualitativen Bewertungskriterien.
  • Dies ändert sich schließlich ab dem CMMI-Reifegrad vier, der ein organisationsweites Prozessfähigkeitsmanagement verlangt. Wie im Fall von Six Sigma geht es nun um quantitative Kennzahlen.

Zusammenfassung: CMMI-Reifegrad zwei betrachtet wie ISO 9000 einige Bereiche einer Organisation, um dafür ein eher qualitatives Qualitätsniveau festzulegen. CMMI-Reifegrad drei dehnt die Betrachtungsweise auf alle Bereiche der Organisation aus, bleibt aber bei einer qualitativen Bewertung des Qualitätsniveaus. Ab CMMI-Reifegrad vier wird wie bei Six Sigma die qualitative durch eine quantitative Qualitätsbewertung abgelöst, wobei CMMI-Reifegrad vier und fünf diese quantitative Bewertung organisationsweit vorschreibt. (Automotive)-SPICE kann als Analogon zu CMMI verstanden werden.

 

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